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Nur das Trugbild
unserer falschen
Freiheit.
Spiegelscherben
 
Der Spiegel fängt unser Bild auf. Seitenverkehrt. Er wandelt all unsere Lügen um, zeigt die Wirklichkeit. Legt unsere Ängste und Sehnsüchte blank - er zeigt das, was die meisten nicht ertragen können. Deshalb schlagen wir auf ihn ein, hämmern gegen sein Glas, bis er in hunderte, kleine Teile zerspringt.
Und jede dieser Spiegelscherben ist ein Splitter Wahrheit.
 
#1
Nur der schwache Abglanz eines Sonnenstrahles fällt durch die zugezogenen Fenster, die mich vom Leben trennen. Vom Leben dort draußen, von der Realität. Der Realität ohne Dich.
Wir haben behauptet, dass es dort nichts mehr gäbe, das es von Wert wäre, weiter zu spielen. Was aber, wenn wir den Mut gehabt hätten, noch einige Zeit weiter zu spielen, auch wenn es Hoffnungslos aussah? Was, wenn wir gewonnen hätten? Wo ich nun an der Wand lehne, und die blasse Dunkelheit um herum sehe, nicht aber das erlischende Lebenslicht in mir spüre, frage ich mich, was anders hätte werden können, wenn wir es anders gemacht hätten!
» Wahren Herzens, hast du es doch nie gewollt, nicht wahr? « Es waren törichte Worte, aus dem Munde einer verletzten Seele. Jene Worte, die ich nie verziehen hatte, bis es zu spät war.
Genau so gut, hättest du tot sein können.
Damals.
Heute bricht sich das Licht in den hohen Fenstern des Herrenhauses, in dem ich stehe. Schon seit Wochen stehe ich hier, vor jenem Fenster, welches so reich verziert in der dunklen Hauswand prangt.
Schatten bewegen sich hier, wo keine sein sollten, so heißt es über jenes Grundstück, dass das Stück Seele, das du zurück gelassen hast, bezieht. Schon beim vorbeikommen wusste ich, wenn ich dich jemals wiederfinden sollte, dann hier. So bin ich nun dort.
Die Wintersonne lässt den Schnee glitzern, der auf der Steinernen Mauer die mein Heim abgrenzt, liegt, und der Sanfte Wind wirbelt Flocke für Flocke durch einander, lebt sie auf, wie sie unberührt dort lagen.
Von aufgestützten Händen, bildet sich auf der Komode vor mir, der Abdruck zweier Hände, deren Finger gespreizt für einige Sekunden zu sehen sind.
Ich lächele bei dem Gedanken, dass ich allein bin, als jemand, der noch Empfinden kann, und wahre Wärme und wahrer Kälte unterscheidet.
Atem schlägt gegen die Fensterscheibe.
Er beschlägt sie leicht.
» Gehabe dich wohl... «
Ich weiß, dass es nicht meiner ist, denn ich stehe hier, Meter entfernt.
Nein.
Ich aber weiß, dass es der deine ist.
Und er sagt mir, dass du hier bist.
Das ich dich gefunden habe,
im Haus der verlorenen Seelen.
 
#2
Ich habe diesen Raum betreten,
und wusste nicht, ob ich zurückkehren würde.
Hier, in dieser Kammer ist es nicht kalt,
nein.
Das kleine Fenster, dass in der Wand mir gegenüber eingelassen ist,
ist keineswegs von Frost überzogen.
Doch auch warm ist es hier nicht.
Ich dürste,
und doch weiß ich, dass ich nicht verdursten werde.
Ich hungere,
denn hier ist nichts, meinen Hunger zu stillen.
Durch das Fenster sehe ich, dass grüne Äste das Glas berühren,
doch es gibt keinen Griff, der es öffnen könnte.
Dort draußen ist Frühling, -
führt die Tür dorthin?
Mein Blick schweift über das schwere Holz der einen,
und der anderen Tür.
Was hinter der liegt, durch die ich kam,
weiß ich.
Aber nein, ich möchte nicht dorthin zurückkehren,
ehe ich weiß, was mich hinter jener anderen Tür erwartet.
Ich habe Furcht, wenn ich sie öffne,
denn ich erkenne nichts.
Womöglich würde ich ins Bodenlose fallen,
oder aber der Aufprall brächte mich um.
Ich weiß, dass es keinen Weg gäbe,
der zurückführt, wäre sie erst zugefallen.
Doch wenn sie zu der Welt vor meinem Fenster führt,
will ich hindurch.
Soll ich ihn wagen, den Schritt... durchs Leben?
 
#3
Man könnte in Frage stellen, was ich fühle. Ob ich fühle, doch jeder meiner Gedanken, ist mit dir verknüpft. Und auch wenn ich dich nicht so kenne, wie man es vielleicht erwarten mag - ich bewundere dich. Ich liebe dich.
Jede Geste deiner, jedes Wort und jedes Lachen, deine Stimme, die meine Ohren verwöhnt, wenn ich heimlich deinen Worten lausche. Alles an dir ist eine Kunst, du bist ein Gemälde.
Mehr als das, du verköperst die pure Schönheit.
Und dein Schöpfer ist das Schicksal.
Geschliffen wie du nun bist - in deiner ganzen Herrlichkeit.


Die Schwere der Nacht senkte sich über ihr Gesicht. Oben, am Himmel funkelten einige Sterne, und sie hielt mit einem leisen Anflug von Bitternis nach dem hellsten Ausschau. Aber wie zu erwarten fand sie nur einen, der seinen Nächsten überragte, und jener schien ferner zu stehen, als alle anderen, auch wenn sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, darüber nach zu denken, ob sich die Sterne auf das Leben auswirkten - oder aber das Leben auf die Sterne. Die Glut im Feuer war inzwischen erloschen, und nur noch hier und da stob ein funke ins tiefe Schwarz der Nacht. Kälte machte sich in ihr breit - nicht der Gedanken wegen, sondern allein des Windes Schuld war es, dass sie fror, während sie über ihn nachdachte. Sie wusste, dass er niemals etwas war, dass in ihrer Zukunft stehen könnte. Sicher, tief in ihrem Herzen hoffte sie darauf, dass ein Wunder geschehen könnte, und man mehr in ihr erkennen könnte, als das Auge es auf den ersten Blick wahr nimmt. Aber die Wahrheit lag anders - wie meist. Und sie war es schon immer gewohnt, dass die Wahrheit zu nah am Leben lag, um sie glücklich akzeptieren zu können.
Ein Geräusch ließ sie auffahren. Sie musste wohl geschlafen haben, und wühlte sich nun mühsam aus dem Schlafsack. Das Gras unter ihren nackten Füßen war klamm, und sie konnte sich fast selbst sehen, wie sie aussehen musste, wenn der Schein der diffusen Lichter weiter hinten auf ihr Gesicht fiel. Sie wollte in die Richtung, aus der ihrer Meinung nach das Geräusch gekommen war. Doch eine Reihe Büsche versprerrte ihr den Weg, und sie blickte nach hinten, um zu sehen, ob jemand ihr nächtliches Aufstehen bemerkt hatte, als sie darüber stolperte. « Immer mit der Ruhe, ... », sprach die Stimme, die zweifelsfrei zu den tiefen, berauschenden Augen gehörte, die seine waren. Sie wollte fragen wie er hier her kommt, was er hier tat. « Schweige einfach, ... Zeit spielt keine Rolle. » So einfache Worte, und doch lehnte sie schon darauf an seiner Brust, und spürte den warmen Atem auf ihrer Haut, als seine Lippen ihren Scheitel berühren. « Ich bin hier, und ich werde es immer sein. » Im lichten Schein des Mondes...
Mit einem Ruck saß sie aufrecht. Resigniert blickte sie sich im morgendlichen Dämmerlicht um, entdeckte die anderen, wie sie wohlig schliefen, und bemerkte verärgert wieder ihre eigene Enttäuschung. Eine, wie sie immer auftrat, wenn sich all diese Wünsche als Träume herausstellten... Besonders schlimm war es heute. Da war kein Mondlicht mehr, er war nicht da, nicht seine Wärme - aber es war so echt gewesen, und sie hatte es so geglaubt und gebraucht. Doch nun spürte sie wieder die verbotene Sehnsucht, die sie zeriss, während sie auf den Morgen wartete, und zurück sank. Das Haar auf dem Gras, harrend, bis Leben in die anderen kam, und sie ihre Tagträume beenden musste...
(Welch' eine kindische Fantasie, die leider auf wahren Begebenheiten begründet.)
 
#4
Das Kerzenlicht flackert durch den Raum, draußen tobt ein Sturm. Doch eigentlich nicht nur vor den Fenstern. Auch in mir drin stürmt es. Mein Herz wird von kleinen Blitzschlägen getroffen, meine Seele ist ein reißender Fluss, Wind peitscht durch mein Denken. Ich verzehre mich danach, dein Gesicht zu berühren.
Das Bild der Kerzen verschwimmt von meinen Augen. Heute sah ich, was es bedeutet. Und ich würde gern wissen, wie es ist, dieses Gefühl, wenn es aufrichtig und tief aus Herzen kommt.
Gleich werde ich die Lichter ausblasen, und es wird Dunkel werden. Doch auch die Finsternis ist für mich Licht. Für heute Nacht gibt es viel zum Nachdenken, während draußen das Unwetter weiterzieht.
 
#5
 Als wir losliefen, wollten wir zusammen das Ende des Regenbogens finden. Die Erde unter unseren Füßen war nass und aufgeweicht, wir versanken gar bis zu den Knöcheln in braunem Schlamm. Trotzdem hielten wir einander eisern an den Händen, den Blick zum Himmel gerichtet, zu den schillernden Farben, die uns eine bessere Welt versprachen. Wir liefen und liefen, gerade aus, und schließlich senkten wir kurz den Blick, ich schaute in deine Augen, du in meine. Sahst du in mir, was ich in jenem Moment in dir sah? In deinen Augen schimmerten alle Farben dieser Welt, herrlicher, prachtvoller als überall sonst. Aber das war nicht genug. Wir richteten den Blick wieder nach oben, - und, siehe, der Regenbogen hatte sich aufgelöst. So nah waren wir am Ziel gewesen, als sich herausstellte, dass es nur ein leeres Versprechen gewesen war.
Dann beschlossen wir den Anfang des Kreises zu suchen. Der Himmel über unseren Köpfen hatte sich schwarz gefärbt, und ich spürte die Angst, die von dir Besitz ergriff. Drückte deine Hand fester. Du hast gesagt, du hättest mal gehört, dass es keine vollkommenen Kreise gäbe, - aber weißt du was? Es gibt überhaupt keinen Kreis. Immer wieder drehe ich die Runde Scheibe in meinen Händen, und was ich dir zeige, beweist es. Wir finden keinen Anfang, und was keinen Anfang hat, kann nicht exisitieren. Die Ewigkeit, das Universum, sagst du, hat auch weder Anfang noch Ende und existiert dennoch. Ja, sage ich. Und dieses Stück Metall existiert auch, stimme ich dir zu. Aber es ist nur ein menschlicher Kreis. Weil wir einen Ausdruck gesucht haben. Es hat keinen Anfang, beginnt nirgendswo... - somit ist doch die Behauptung, du rutscht in einen Teufelskreis, völlig sinnlos. Kannst du nicht, als Mensch, weil es immer einen Anfang geben muss. Nenen wir es... "Teufelsbahn", aber nicht Kreis, denn nein, es ist kein Kreis, denn unser Schicksal und dessen Etappen besitzen immer einen Anfang. Und ein Ende. Irgendwo.
Schließlich sagte ich, wir müssten zum Mittelpunkt der Erde gelangen. Und daraufhin grubst du mit mir einen Tunnel, tagelang, und irgendwann wurde es vollkommen dunkel um uns, so tief waren wir unter der Erde. Irgendwann hast du mich in deine Arme gezogen, und wir haben uns geküsst. Dutzende Kilometer vom Tageslicht entfernt. Und dann wurde es plötzlich hell um uns. Du fragtest, ob wir ihn den schon erreicht hätten, den Mittelpunkt der Erde. Ich hingegen fragte dich, ob du nicht denken würdest, dass die Erde unser Leben sei. Natürlich sei sie das in gewisser weise, sagtest du. Ich schwieg, du verstandest nicht, was ich meinte, bis ich es dir erklärte. Den Mittelpunkt der Erde, und damit unseres Lebens, hatten wir schon lange gefunden, bevor wir anfingen zu graben. Wir selbst sind der Mittelpunkt, du für mich, ich für dich, unsere Liebe ist der Erdkern.

Also stiegen wir wieder zum Tag hinauf, und es war wie eine Neugeburt. Als das Tageslicht uns wieder umfing bekamen wir ein neues Leben geschenkt, eines, dass nur uns beiden gehörte, dass wir für uns entdeckt hatten.
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